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Rechtsextremismus in Comics

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Rechtsextremismus in Comics
Organisation
Themenblock 1: Rechtsextreme und rassistische/antisemitische Comics
Themenblock 2: Comics gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus
Alle Seiten

Veranstalter/Hrsg.: Archiv der Jugendkulturen e.V.
Ralf Palandt, Gesellschaft für Comicforschung (www.comicforschung.de/gesellschaft.html)


Rechtsextreme nutzen inzwischen bei ihrem "Kampf um die Köpfe" ein vielfältiges Medienangebot als Transportmittel für ihre Ideologie, darunter auch, vor allem, um Jüngere zu werben, Comics.

Auch in der politischen Jugendbildung demokratischer Institutionen sowie als Lehrmittel im Unterricht sollen sie der rechtsextremen Meinungsbildung entgegen wirken. Doch beschränkt sich ihr Einsatz aktuell auf wenige Fälle. Zum einen fehlt die breite Zustimmung und Förderung durch die maßgeblichen Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung. Zum anderen gilt für einige „Comics gegen Rechts“: Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht.

Tatsächlich herrscht ein großer Mangel an Wissen über die gesellschaftspolitische Bedeutung, über die Wirkungs- und Einsatzmöglichkeiten von Comics im Allgemeinen und im Bereich Rechtsextremismus und Rassismus im Besonderen. Werden hier einerseits Gefahren für die Gesellschaft und andererseits Potentiale möglicher Verteidigungsmittel sträflich übersehen?

Die Tagung und der geplante Begleitband sollen dazu dienen, im interdisziplinären Rahmen Untersuchungen und Erfahrungen über Inhalte, Funktionen, Mechanismen und Wirkung von Comics aus dem Themenkreis Rechtsextremismus und Rassismus vorzustellen und zu diskutieren.


Sollten Sie zum Thema unserer Tagung arbeiten und Interesse haben, Ihre Erkenntnisse zu präsentieren oder Thesen und Theorien zu diskutieren, bewerben Sie sich bitte auf folgende Art und Weise:

  • Wir bitten um Zusendung von zwei- bis dreiseitigen Abstracts (3.600-5.400 Zeichen) in deutscher oder englischer Sprache sowie der wesentlichen Bibliographie und einem kurzen Lebenslauf in elektronischer Form (*.doc, *.rtf) per E-Mail bis zum 30. April 2009 an beide Veranstalter: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. und Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Die Referate sollen eine Dauer von max. 30 min. haben, damit genügend Zeit für Diskussionen bleibt. Die Buchbeiträge sollen zwischen 30.000 und 150.000 Zeichen umfassen.
  • Keynote-Vorträge werden vorneweg in die beiden Themenbereiche einführen.
  • Das genaue Programm wird auf Basis der eingereichten und akzeptierten Abstracts bis Ende Mai 2009 erstellt.
  • Die Veranstaltung ist auf drei Tage angelegt und soll möglichst im 4. Quartal 2009 stattfinden.

 

 

 

 


Betrachtet man die Menge an Literatur zum Thema Rechtsrock, scheint in der rechten Szene neben der Musik kein Platz mehr zu sein für anderes. Das ist ein Irrtum. U. a. werden auch Comics für die politischen Ziele eingesetzt – in Schülerzeitungen und Fanzines, auf Flugblättern und in Parteizeitungen, und selbstverständlich auch in Booklets von Rechtsrock-CDs.

Was ist das Gefährliche an rechtsextremen Comics? Durch die Bildergeschichten werden Ideologien vermittelt und Feindbilder aufgebaut, die Hass und Aggressionen schüren sollen. Angehörige ethnischer oder sozialer Minderheiten, Homosexuelle, Menschen mit anderer politischer Überzeugung, anderer Hautfarbe und anderer Religionszugehörigkeit werden mit Gewalt bekämpft, in der Realität wie in den Comics. Hierfür werden auch populäre Comic-Figuren wie Superman, Asterix und die Simpsons für eigene Zwecke vereinnahmt.

Noch mehr rechtsextreme und antisemitische Comics werden im Ausland verbreitet (vor allem in Frankreich und den USA). Einige davon werden, auf Deutsch übersetzt, auch hier veröffentlicht.

Zu folgenden Fragestellungen werden Abstracts erbeten. Auch zu weiteren Ansatzpunkten sind Vorschläge ausdrücklich erwünscht, soweit sie das Panel-Thema aufgreifen.

  • Stereotypen sind die Bilder in unserem Kopf, die unsere Weltsicht mitunter mehr prägen als die eigene unmittelbare Anschauung. Welche Stereotypen lassen sich in rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Comics finden?
  • Welche Feindbilder sind in rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Comics zu finden? Gibt es visuelle oder sprachliche oder inhaltliche Verbindungen zu Feindbildern aus anderen Zeiten, anderen Kulturkreisen oder anderen Medien?
  • Mit welchen Methoden werden Funktion und Bedeutung von Feindbildern und Stereotypen ermittelt bzw. analysiert? Welche Wirkung haben sie? Welche Folgen hat dies für die Gesellschaft?
  • Haben (rechtsextreme, rassistische und antisemitische) Comics emotionalisierende Wirkungen und wenn ja, welche? Welche Bildmotive oder -sequenzen lösen besonders starke affektive Reaktionen aus?
  • Welche bekannten Comic-Figuren werden von rechtsextremen und antisemitischen Gruppen zur eigenen Propaganda zweckentfremdet (für Comics, Aufkleber, T-Shirts, Graffitis, etc.) und warum ausgerechnet diese?
  • Eine juristische Frage: Dürfen die das eigentlich? Wie sieht es mit der urheberrechtlichen Dimension beim "Klau" und Zweckentfremden von Comics (und anderen Medien wie Musik) für rechtsextreme Zwecke aus? Was können die Urheber unternehmen?

 

 

 


Seit den 1980er Jahren ist das Thema Drittes Reich und Holocaust verstärkt in Comics vertreten. Angeregt durch neue Untersuchungen und Fachbücher hat die Diskussion um den Einsatz dieser Comics in Schulunterricht und politischer Bildung zur Schaffung eines besseren Geschichtsbewusstseins wieder an Aktualität gewonnen. Kann hier Rechtsextremismus und Antisemitismus nachhaltig bekämpft werden?

Behörden (etwa der Verfassungsschutz, die Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung) und nichtstaatliche Organisationen treten der rechtsextremen Propaganda u. a. auch mit Comics entgegen und setzen sie zur Aufklärung im Rahmen ihrer politischen Jugendbildungsarbeit ein.

Zu folgenden Fragestellungen werden Abstracts erbeten. Auch zu weiteren Ansatzpunkten sind Vorschläge ausdrücklich erwünscht, soweit sie das Panel-Thema aufgreifen.

  • Wie können Comics auf die Brauchbarkeit zum (Schul-)Einsatz hin überprüft werden?
  • Welche didaktischen Konzepte und Unterrichtsmodelle gibt es für den Einsatz von Comics?
  • Welche Untersuchungsergebnisse oder Erfahrungen aus der Praxis gibt es mit Comics im Unterricht?
  • Welchen Stellenwert haben die inhaltliche Geschichte und die Unterhaltung gegenüber dem Zweck der gesellschaftspolitischen Bildung?
  • Wie kann das bildungspolitische Ziel besser erreicht werden? Bekannte versus neue Comicfiguren? Realistischer versus Funny-Zeichenstil? Fiktive versus tatsachenbasierte Handlung? Schwarz/weiße versus farbige Zeichnungen? Lange versus kurze Geschichte?
  • Welche Vorschläge gibt es für einen optimalen Comic gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus?


Interview mit Ralf Palandt im Bayerischen Rundfunk on3